Wäre die Welt nur dann perfekt, wenn es in ihn ihr keine Despoten, keine Massenmörder, keine Kinderschänder, keine Folter, kein Verbrechen, keine Skrupellosigkeit, keinen Hunger, keinen Krieg, keinen Kummer, keine Tränen, keine dunkle Nacht gäbe, könntest du auf sie warten bis zum St. Nimmerleinstag. Sie wäre niemals perfekt, wenn sie, um perfekt sein zu können, auschließlich Hell, Schön, Gerecht, Wahr sein müsste. Denn: 



 
Schönes wirkt nur als schön, wenn Hässliches vorhanden;  
Gutes wirkt nur als gut, wenn es auch Böses gibt.  
Und das ist so,   
weil Sein und Nicht-Sein sich bedingen,  
Schweres und Leichtes sich ergänzen,  
Langes und Kurzes sich bemessen,  
hoch und tief zusammengehn,  
Ton und Stimme harmonieren,  
vor und nach einander folgen.

    Tao-Te-King, übersetzt von Johannes Schneider, Chile
 
  
Und wenn du das so nüchtern und sachlich wie Laotse zu erkennen vermagst, ist Welt in deiner Wahrnehmung nicht nur trotz, sondern auch wegen all jener Geschehnisse, die du weder schön noch gut, weder gerecht noch wahrhaftig finden kannst, perfekt. Denn sie sind nun nicht nur grundsätzlich, sondern auch in deiner Wahrnehmung "notwendiger" Gegenpol des Guten, Schönen und Gerechten. Und das Ergebnis dieser Klarsicht ist eine innere Stabilität, von der du nicht einmal zu träumen wagst, bevor sie erfahren wird. Freilich von niemand, denn das illusionäre Ich hat im natürlichen Zustand nichts mehr zu melden.

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